XR in der Arbeitswelt: Risiken sicher erleben, bevor sie entstehen
Extended Reality (XR) eröffnet im Arbeitnehmer:innenschutz neue Möglichkeiten für Unterweisungen, Schulungen und Prävention. Erfahren Sie, wie Betriebe virtuelle Technologien nutzen können, um Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz zu stärken.
Unterweisungen und Schulungen sind zentrale Bausteine des Arbeitnehmer:innenschutzes. Gerade bei gefährlichen Tätigkeiten oder seltenen Ereignissen ist es jedoch oft schwierig, reale Situationen gefahrlos zu üben. Hier kann (XR) wertvolle Unterstützung leisten. XR umfasst verschiedene Technologien, die virtuelle und reale Umgebungen miteinander verbinden. Dazu zählen Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR). Sie ermöglichen es, Arbeitsabläufe sichtbar zu machen, Gefährdungen realitätsnah zu vermitteln und Beschäftigte gezielt auf anspruchsvolle Situationen vorzubereiten.
Was ist der Unterschied zwischen VR, AR und MR?
Virtual Reality (VR)
Bei VR tauchen Nutzer:innen vollständig in eine computergenerierte Umgebung ein. Mithilfe einer VR-Brille können gefährliche Arbeitssituationen, Notfälle oder komplexe Arbeitsabläufe realitätsnah trainiert werden, ohne dass dabei tatsächliche Risiken entstehen.
Typische Anwendungsbereiche sind:
- Arbeiten in der Höhe
- Umgang mit Gefahrstoffen
- Evakuierungsübungen
- Bedienung komplexer Anlagen
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Augmented Reality (AR)
AR ergänzt die reale Umgebung durch digitale Informationen. Über Smartphones, Tablets oder Datenbrillen werden beispielsweise Hinweise, Warnungen oder Arbeitsanweisungen direkt im Sichtfeld eingeblendet. Dadurch können Beschäftigte Schritt-für-Schritt-Anleitungen erhalten oder zusätzliche Informationen unmittelbar am Arbeitsplatz abrufen.
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Mixed Reality (MR)
MR verbindet reale und virtuelle Elemente zu einer gemeinsamen Arbeitsumgebung. Digitale Inhalte reagieren dabei auf reale Objekte und können mit ihnen interagieren. Beispielsweise können Maschinenzustände visualisiert, Wartungsabläufe unterstützt oder Bedienfehler simuliert werden.
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Ein Unternehmen möchte neue Beschäftigte für Tätigkeiten auf hochgelegenen Arbeitsplätzen einschulen. Mithilfe einer VR-Anwendung können Absturzsituationen, sichere Bewegungsabläufe und Notfallmaßnahmen realitätsnah geübt werden. Die Beschäftigten sammeln erste Erfahrungen in einer sicheren Umgebung, erkennen typische Gefährdungen und gewinnen Handlungssicherheit, bevor sie die Tätigkeit unter realen Bedingungen ausführen.
Wo kann XR im Betrieb eingesetzt werden?
Mögliche Einsatzbereiche sind unter anderem:
- Schulungen und Unterweisungen
- Einschulung neuer Beschäftigter
- Wartung und Instandhaltung von Maschinen
- Unterstützung bei komplexen Arbeitsabläufen
- Visualisierung von Gefährdungen
- Planung und Gestaltung von Arbeitsplätzen
- Dokumentation und Wissensvermittlung
Besonders sinnvoll kann XR dort sein, wo hohe Gefährdungen, komplexe Prozesse oder wenig praktische Erfahrung zusammentreffen.
Worauf sollten Betriebe achten?
XR-Systeme können einen wertvollen Beitrag zur Prävention leisten. Voraussetzung ist jedoch eine sorgfältige Planung.
Vor der Beschaffung sollten unter anderem folgende Fragen geklärt werden:
- Ist das System für die vorgesehene Anwendung geeignet?
- Entspricht der Tragekomfort den Anforderungen der Nutzer:innen?
- Werden Datenschutz und Datensicherheit berücksichtigt?
- Ist das System barrierearm und für unterschiedliche Zielgruppen nutzbar?
- Welche organisatorischen Rahmenbedingungen sind notwendig?
- Auch Aspekte wie Gruppengröße, Anzahl der verfügbaren Systeme, Hygiene, Beleuchtung und Platzbedarf sollten frühzeitig berücksichtigt werden.
Mögliche gesundheitliche Belastungen
Wie bei anderen digitalen Technologien können auch bei XR-Anwendungen Belastungen auftreten. Dazu zählen beispielsweise:
Motion Sickness
Übelkeit, Schwindel oder Desorientierung können entstehen, wenn das Gehirn widersprüchliche Informationen von Augen und Gleichgewichtssinn erhält. Zur Verringerung dieser Beschwerden können hohe Bildwiederholraten, eine geeignete Bewegungsdarstellung und regelmäßige Pausen beitragen.
Weitere mögliche Belastungen
- Augenermüdung
- Orientierungsverlust
- Sturzgefahr
- Kognitive Überlastung
- Belastungen von Nacken und Halswirbelsäule
Diese Faktoren sollten bei der Auswahl und Gestaltung von XR-Anwendungen berücksichtigt werden.
Chancen und Grenzen von XR
XR kann Unterweisungen und Schulungen wirkungsvoll ergänzen und bietet zahlreiche Vorteile:
- Gefährdungen können sicher und realitätsnah vermittelt werden.
- Schulungen sind ortsunabhängig und wiederholbar.
- Lerninhalte können anschaulich visualisiert werden.
- Digitale Informationen stehen unmittelbar zur Verfügung.
- Immersive Lernumgebungen können die Wissensvermittlung unterstützen.
Gleichzeitig ersetzt XR weder praktische Übungen noch die persönliche Einschulung am Arbeitsplatz. Die Technologie sollte daher als Ergänzung bestehender Präventionsmaßnahmen verstanden werden.
Fazit
XR eröffnet neue Möglichkeiten, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu fördern. Richtig eingesetzt können XR-Anwendungen helfen, Risiken verständlicher zu machen, Lernprozesse zu unterstützen und Beschäftigte gezielt auf anspruchsvolle Aufgaben vorzubereiten.
Entscheidend für den Erfolg sind eine sorgfältige Planung, die Berücksichtigung möglicher Belastungen sowie die Einbindung in bestehende Präventionsprozesse. Die Technologie ersetzt nicht das Fachwissen von Präventivfachkräften, kann deren Arbeit jedoch sinnvoll unterstützen und ergänzen.
Fachbeiträge aus dem AUVA-Magazin "Sichere Arbeit"
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