Motion-Capture-Systeme im Betrieb: Mehr Effizienz durch präzise Bewegungsanalyse
Motion-Capture-Systeme erfassen und analysieren menschliche Bewegungsabläufe präzise. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Arbeitssicherheit, Prävention und die Optimierung von Arbeitsabläufen.
In der Arbeitswelt kommen bereits zahlreiche digitale Tools zum Einsatz, die Unternehmen dabei unterstützen können, Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz zu verbessern. Dazu zählen unter anderem tragbare Technologien wie Wearables und smarte Persönliche Schutzausrüstung (smarte PSA), Datenbrillen und Xtended Reality-basierte Systeme, Kamera- und Sensortechnologien, genauso wie online-Plattformen und Apps. Auch die AUVA-Prävention setzt einiges davon schon in ihrer täglichen Beratungsarbeit ein.
In diesem Beitrag dreht sich alles um Motion-Capture-Systeme (MoCap), die eine genaue Erfassung und Auswertung menschlicher Bewegungsabläufe schaffen und damit neue Ansätze im Bereich Arbeitssicherheit und Prävention bei Arbeitsabläufen ermöglichen.
Bewegungen erfassen und Belastungen sichtbar machen
MoCap-Systeme als ein Teil der digitalen unterstützenden Systeme, sind längst keine unbekannte Technologie mehr. Immer mehr Unternehmen entdecken das Potenzial dieser Tools für betriebliche Anwendungen. Durch die präzise Erfassung und Analyse menschlicher Bewegungen eröffnen sich neue Möglichkeiten in Arbeitssicherheit und Prävention, sei es zur Optimierung von Arbeitsprozessen, zur Verbesserung der Ergonomie, oder zur Steigerung der Produktivität.
Ein MoCap-System zeichnet Bewegungen von Personen oder Objekten digital auf. Dabei können verschiedene Varianten zum Einsatz kommen, darunter kamerabasierte Systeme mit Markern, markerlose Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz (KI), sowie Sensoranzüge mit integrierten Bewegungssensoren, oder nur Sensoren, die am Körper über der Arbeitskleidung getragen werden. Die erfassten Daten werden in Echtzeit ausgewertet und können detaillierte Informationen über Körperhaltung, Bewegungsabläufe und Belastungen liefern.
Im industriellen Umfeld werden MoCap-Systeme insbesondere zur Analyse von Arbeitsplätzen eingesetzt. Unternehmen können nachvollziehen, welche Bewegungen Mitarbeitende während ihrer Tätigkeiten ausführen und wo potenzielle Belastungen entstehen. Dadurch lassen sich ergonomische Schwachstellen identifizieren und Arbeitsplätze gezielt optimieren. Dies trägt nicht nur zur Gesundheit der Beschäftigten bei, sondern kann auch krankheitsbedingte Ausfälle reduzieren.
Arbeitsprozesse analysieren und optimieren
Ein weiterer Einsatzbereich ist die Prozessoptimierung. Durch die Analyse wiederkehrender Bewegungsabläufe können Unternehmen ineffiziente Arbeitsschritte und Fehler erkennen und verbessern. Besonders in Produktion, Logistik und Montage bieten MoCap-Systeme wertvolle Erkenntnisse, um Arbeitsprozesse schneller, sicherer und fehlerfrei zu gestalten.
Neue Möglichkeiten für Schulung und Training
Auch im Bereich Schulung und Qualifizierung gewinnt die Technologie zunehmend an Bedeutung. Bewegungsdaten können genutzt werden, um Mitarbeitenden optimale Arbeitsabläufe zu vermitteln oder Fehlerquellen sichtbar zu machen. In Kombination mit anderen digitalen Anwendungen wie Extended-Reality-Applikationen entstehen realitätsnahe Trainingsumgebungen, in denen komplexe Tätigkeiten in virtueller Umgebung geübt werden können. Das AUVA-Projekt ErgoMobileXR ist ein Beispiel, in dem das Trainieren manueller Lasthandhabung im virtuellen Raum trainiert werden kann und individuelles Feedback in Form von Avataren gegeben wird, dessen schulungsrelevante Bewegungen vorab mit einem full body-Motion Capture Suit aufgezeichnet wurde.
Unterstützung bei der Planung von Arbeitsplätzen
Darüber hinaus sind MoCap-Systeme mitunter schon vereinzelt Teil der Planung und Simulation neuer Arbeitsplätze, Montagelinien oder Fabrikhallen. Der im Fachbereich Ergonomie eingesetzte ema work designer kombiniert Simulationsprogramme mit Real life-Bewegungsdaten von MoCap-Systemen für Planungs- aber auch Analysezwecke.
Datenschutz und Akzeptanz beachten
Trotz der zahlreichen Vorteile und sinnvollen Einsatzzwecke im Betrieb sollten Unternehmen aber auch Aspekte wie Datenschutz und Akzeptanz berücksichtigen. Die Erfassung von Bewegungsdaten insbesondere in Kombination mit Videoaufnahmen erfordert klare Regelungen und eine transparente Kommunikation gegenüber den Mitarbeitenden. Nur wenn der Nutzen nachvollziehbar vermittelt wird und die Privatsphäre geschützt bleibt, ist der Einsatz Thema.
Fazit
MoCap-Systeme entwickeln sich kontinuierlich weiter und werden durch Fortschritte hinsichtlich Sensorik, künstliche Intelligenz und Datenanalyse immer leistungsfähiger. Für Unternehmen bieten sie die Chance, Arbeitsbedingungen zu verbessern, Prozesse effizienter zu gestalten und fundierte Entscheidungen auf Basis objektiver Bewegungsdaten zu treffen. Damit werden MoCap-Lösungen zunehmend zu einem wichtigen Baustein moderner und datengetriebener Unternehmensstrategien.
Fachbeiträge aus dem AUVA-Magazin "Sichere Arbeit"
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