Kannapat/Adobe Stock Ein Mann und eine Frau stehen nebeneinander und blicken auf einen geöffneten Laptop. Davor erscheint eine KI-Projektion.

Mehr Überblick, mehr Sicherheit: Digitale Systeme in der Präventions­arbeit

Digital unterstützende Systeme gewinnen im Arbeitnehmer:innenschutz zunehmend an Bedeutung. Sie helfen dabei, Gefährdungen früher zu erkennen, Belastungen objektiv zu bewerten und Präventionsmaßnahmen gezielter umzusetzen. Wie digitale Technologien in unterschiedlichsten Arbeitsbereichen sinnvoll eingesetzt werden können, zeigt dieser Beitrag.

24.03.2026
3 Minuten
Norbert Metzner
Schlagwörter: Digitalisierung

Ob Wearables, smarte Schutzausrüstung, Drohnen oder Virtual Reality: Digitale Technologien unterstützen heute aktiv Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – oft unauffällig, aber mit großer Wirkung. Für Sicherheitsfachkräfte stellen diese Technologien eine sinnvolle Ergänzung klassischer Präventionsinstrumente dar.
Unter digital unterstützenden Systemen versteht man technische Anwendungen, die direkt zur Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten beitragen. Sie arbeiten häufig im Hintergrund, erhöhen jedoch die Transparenz von Arbeitsbedingungen und liefern zusätzliche, objektive Entscheidungsgrundlagen für die Präventionspraxis. Einsatzbereiche finden sich unter anderem in Produktion, Bau, Logistik, Labor, Büro, Homeoffice sowie bei Alleinarbeit.

 

Digitale Systeme als Ergänzung der Präventions­arbeit

Digitale Technologien können dort unterstützen, wo Beobachtung und Erfahrung allein an Grenzen stoßen. Mithilfe von Sensoren, Kameras, Softwarelösungen oder digitalen Plattformen können Belastungen, Bewegungen, Umgebungsbedingungen oder potenzielle Gefährdungen erfasst und ausgewertet werden. Digitale Analysesysteme erfassen arbeitsbezogene Parameter wie Körperhaltungen, Bewegungsabläufe oder Umwelteinflüsse. Die gewonnenen Daten unterstützen Gefährdungsbeurteilungen und erleichtern eine datenbasierte Planung von Präventionsmaßnahmen. Für Sicherheitsfachkräfte ergibt sich daraus die Möglichkeit, Risiken fundierter zu bewerten und Maßnahmen nachvollziehbar zu begründen.

Digitale unterstützende Systeme

... tragen dazu bei, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu verbessern. Sie helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Präventionsmaßnahmen gezielt zu unterstützen – etwa durch Wearables, smarte PSA, Drohnen oder XR-Anwendungen.

Formen digitaler Unterstützung im Arbeitnehmer:innenschutz

Extended Reality (XR) – darunter Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) – bezeichnet Technologien, die eine Verbindung zwischen der realen Welt und virtuellen Welten herstellt. Diese Technologien werden vor allem in den Bereichen Schulung, Unterweisung und Planung eingesetzt, da sich Arbeitsabläufe und Gefahrensituationen realitätsnah simulieren lassen, ohne Arbeitnehmer:innen einer realen Gefährdung auszusetzen. 

  • VR: In virtuellen Trainingsumgebungen können Beschäftigte Arbeitsabläufe und Notfallsituationen realitätsnah üben – etwa den Umgang mit Gefahrstoffen, Arbeiten in der Höhe oder Evakuierungen – ohne sich realen Risiken auszusetzen.
  • AR: Bei AR-Anwendungen werden digitale Informationen wie Warnhinweise, Erläuterungen oder Schritt für Schritt Anleitungen direkt in das reale Arbeitsumfeld eingeblendet, zum Beispiel über Smart Glasses oder mobile Endgeräte.
  • MR: MR verbindet reale Objekte und virtuelle Elemente so, dass sie miteinander interagieren. So können direkt im Sichtfeld z. B. Maschinenzustände eingeblendet, Hinweise angezeigt oder Bedienfehler simuliert werden.  
Gorodenkoff - stock.adobe.com Frau arbeitet im Büro mit VR-Brille.

Wearables sind am Körper getragene Systeme, die beispielsweise Hitze, Erschütterungen oder Bewegungsmuster messen. Sie erfassen Daten direkt am Körper und können mit dem:der Nutzer:in interagieren, z. B. Warnungen bei Grenzwertüberschreitungen auslösen oder im Notfall automatisch Alarm schlagen.

KI-generiertes Bild: Sora AI – Bearbeitung: © AUVA / Attila Primus männlicher Unterarm mit Smartwatch, darüber eine Projektion mit Gesundheitsdaten

Smarte PSA erweitert die klassische persönliche Schutzausrüstung (PSA) – etwa Schutzhelme, Schutzwesten oder Schutzbrillen – um Sensoren, Detektoren oder Akkus. Dadurch entstehen z. B. Schutzwesten mit integrierter Airbag-Funktion oder Schutzhelme, die mit Kontroll- und Feedbackfunktionen ausgestattet sind.

Drohnen können mit Kameras, GPS-, Infrarot- oder weiteren Sensorsystemen ausgestattet sein und ferngesteuert oder autonom betrieben werden. Sie ermöglichen Inspektionen in gefährlichen oder schwer zugänglichen Bereichen, etwa bei Arbeiten in der Höhe oder in engen, kontaminierten Räumen. So tragen sie dazu bei, Risiken für die Arbeitnehmer:innen zu reduzieren und dennoch notwendige Kontrollen sicher durchzuführen.

KI-generiertes Bild: Sora AI – Bearbeitung: © AUVA / Attila Primus Bild einer fliegenden Drohne im Grünen

E-Learning, Online-Schulungsplattformen: E-Learning-Anwendungen und digitale Erhebungsinstrumente erweitern die Möglichkeiten der Prävention durch orts- und zeitunabhängige Qualifizierung der Arbeitnehmer:innen. Sie vermitteln sicherheitsrelevantes Wissen, etwa zum Umgang mit Maschinen, Gefahrstoffen oder organisatorischen Schutzmaßnahmen, und unterstützen Betriebe bei der systematischen Sensibilisierung der Beschäftigten.

Worauf Sicherheits­fachkräfte achten sollten

Der Einsatz digital unterstützender Systeme erfordert klare Zieldefinitionen, eine datenschutzkonforme Umsetzung sowie transparente Kommunikation mit den Beschäftigten. Entscheidend ist außerdem die Integration in bestehende Präventionsprozesse. Digitale Systeme ersetzen weder Fachwissen noch Verantwortung, sondern entfalten ihren Nutzen erst durch fachkundige Bewertung und gezielten Einsatz.

 

Fazit

Digitale unterstützende Systeme bieten Sicherheitsfachkräften zusätzliche Werkzeuge, um den Arbeitnehmer:innenschutz modern, nachvollziehbar und wirksam zu gestalten. Richtig eingesetzt können sie dazu beitragen, Risiken früher zu erkennen, Präventionsmaßnahmen besser zu begründen und Sicherheit sowie Gesundheit bei der Arbeit nachhaltig zu stärken.

Die AUVA nutzt solche digitalen Tools bereits im Kontext präventiver Dienstleistungen, um Betriebe durch Online-Angebote, Analyseinstrumente und innovative Lernformate bei der sicheren Gestaltung von Arbeit zu unterstützen.

Bei Fragen zum Thema steht Ihnen das AUVA-Präventionsteam gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns unter sichereswissen@auva.at