Back to Life Award: Zwei Menschen, die Mut machen
Ein Arbeitsunfall veränderte das Leben von Katrin Bley und Karl Nestler grundlegend. Beide fanden ihren eigenen Weg zurück in Beruf und Alltag. Für ihren außergewöhnlichen Einsatz und ihren Lebensmut wurden sie jetzt in Graz mit dem AUVA-Back to Life-Award ausgezeichnet.
Ein schwerer Arbeitsunfall kann das Leben innerhalb weniger Sekunden verändern. Was danach kommt, lässt sich kaum planen: medizinische Akutbehandlung, Rehabilitation, die Rückkehr in den Alltag und die Frage, wie es beruflich weitergehen kann. Der AUVA-Back to Life-Award zeichnet Menschen aus, die auf diesem Weg Besonderes geleistet haben und mit ihrer Geschichte auch anderen Betroffenen Mut machen.
2026 ging die Auszeichnung der AUVA-Landesstelle Graz an zwei Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten: Katrin Bley und Karl Nestler.
Katrin Bley: Zurück in den Beruf und neue Verantwortung
Im Jahr 2019 geriet Katrin Bley während ihrer Arbeit bei der Firma Zuser Ressourcenmanagement mit dem rechten Bein in das Förderband einer Sortieranlage. Die Verletzungen waren so schwer, dass ihr Bein schließlich auf Höhe des Oberschenkels amputiert werden musste. Ihre beiden Arbeitskollegen Manuel Gruber und Stefan Maasten leisteten entscheidende Hilfe und organisierten unter anderem gefrorenes Gemüse aus einem Supermarkt, um die Verletzung zu kühlen.
Nur zwölf Tage nach dem Unfall konnte Katrin Bley das LKH Graz verlassen. Wenige Wochen später begann ihre Rehabilitation in der AUVA-Rehabilitationsklinik Tobelbad. Dort arbeitete sie monatelang daran, wieder möglichst viel Selbstständigkeit zu gewinnen.
Doch für sie sollte der Weg zurück ins Leben auch ins Berufsleben führen. Bereits 14 Monate nach ihrem Unfall nahm sie ihre Arbeit bei der Firma Zuser wieder auf. Nach Umschulungen und zusätzlichen Qualifikationen übernahm sie neue Aufgaben. Heute leitet sie das Altstoff-Sammelzentrum und arbeitet weiterhin in Vollzeit.
Außerhalb der Arbeit hat sich Katrin Bley ihre vielfältigen Interessen bewahrt. Sie schwimmt gerne, widmet sich dem Diamond Painting und denkt darüber hinaus über eine Rückkehr auf die Theaterbühne nach. Einen besonders festen Platz in ihrem Alltag haben ihre fünf Katzen Lotte, Mandu, Hope, Mogli und Oskar.
Am wichtigsten ist für sie jedoch ihre Familie. Gerade in der schwierigen Zeit nach dem Unfall fand sie dort Halt, insbesondere bei ihrer Mutter und ihrem Neffen. Ihr nächstes persönliches Ziel hat Katrin Bley ebenfalls bereits vor Augen: den Führerschein, der ihr künftig den Weg zur Arbeit erleichtern soll.
Karl Nestler: Aus eigener Erfahrung für andere
Bei Karl Nestler liegt der Unfall Jahrzehnte zurück. Als 16-jähriger Lehrling versuchte er auf dem Weg zur Berufsschule, auf einen bereits anrollenden Zug aufzuspringen. Er glitt ab und geriet mit beiden Beinen unter die Räder eines Waggons. Er verlor das linke Bein im Bereich des Oberschenkels und das rechte im Bereich des Unterschenkels. Seine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur schloss er dennoch 1978 ab. Nach einer Nachschulung zum technischen Zeichner folgten weitere berufliche Stationen, bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Seit 1994 ist Karl Nestler Geschäftsführer der Cura-San Bandagist GmbH in Graz.
Der Anfang war klein: Die ersten Prothesen wurden noch zu Hause in der Garage gefertigt. Heute verfügt das Unternehmen neben der Zentrale in Graz über Filialen in Leoben, Oberwart, Gleisdorf und Fehring und beschäftigt 34 Mitarbeiter:innen. Cura-San ist zudem österreichweit Kooperationspartner der AUVA für Hilfsmittelversorgung und orthopädische Behelfe. Karl Nestler betrachtet sich in seinem eigenen Unternehmen nicht nur als Chef, sondern nach wie vor auch als Patient und Kunde.
Auch der Sport begleitet ihn seit Jahrzehnten. Seit 1977 ist er Mitglied im Grazer Versehrtensportclub, seit 1997 dessen Obmann. Er spielt Sitzball, Sitzvolleyball und Sitzfußball und legt mit dem Handbike rund 3.000 Kilometer pro Jahr zurück.
Selbst ein weiterer schwerer Rückschlag hielt ihn nicht davon ab, aktiv zu bleiben. Nach einem vierfachen Oberschenkelbruch, der beim Abstürzen von einer Kaimauer passiert ist, trainiert er seinen rechten Fuß täglich 20 Minuten auf einer Streckbank. Auf Reisen nimmt er dafür sogar einen fünf Kilogramm schweren Sandsack mit.
Und es gibt noch eine andere Leidenschaft: die Harmonika. Wenn möglich übt Karl Nestler täglich, besucht regelmäßig die Musikschule und einmal im Jahr ein Musikseminar.
Nestlers persönlicher Leitsatz bringt seine Haltung auf den Punkt:„Ein Schritt voraus.“ Und wenn es doch einmal einen Schritt zurückgeht, sieht er darin die Möglichkeit, neu Anlauf zu nehmen.
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