Jugendliche in Ausbildung - Sicherheit & Prävention von Anfang an!
Mangelnde Erfahrung und ein wenig ausgeprägtes Risikobewusstsein machen Jugendliche in Ausbildung besonders schutzbedürftig. Welche Verantwortung Arbeitgeber:innen und Ausbilder:innen tragen und welche Rolle Prävention dabei spielt, zeigt dieser Beitrag.
In Österreich absolvieren viele junge Menschen eine Lehre oder eine andere Form der betrieblichen Ausbildung. Die meisten Jugendlichen sind während der Ausbildung noch minderjährig und verfügen über wenig (Berufs-)Erfahrung im Umgang mit Arbeitsmitteln und Arbeitsabläufen. Im Ausbildungsalltag sind sie jedoch – abhängig vom Lehrberuf – mit zahlreichen neuen Aufgaben, Tätigkeitsbereichen und potenziellen Gefährdungen konfrontiert.
Dazu zählen etwa:
- Arbeiten mit (gefährlichen) Maschinen und Arbeitsmitteln,
- der Umgang mit (gefährlichen) Arbeitsstoffen,
- Arbeiten unter körperlicher und/oder psychischer Belastung,
- Sonstige gefährliche Tätigkeiten, etwa das Arbeiten auf Leitern, Gerüsten oder Dächern.
Dabei ist es schwierig für sie, den Überblick zu behalten und mögliche Gefahren im Zusammenhang mit der Arbeit rechtzeitig zu erkennen. Was für erfahrene Fachkräfte oft zur Routine gehört, stellt für Jugendliche meist noch Neuland dar. Gefahren werden deshalb häufig unterschätzt oder zu spät erkannt. Mangelnde Koordination, Kontrollverlust oder Ähnliches spielen dabei eine größere Rolle als beispielsweise ein technisches Gebrechen einer Maschine.
Zudem haben Jugendliche ein anderes Verhältnis zu Risiko und Gefahr als erfahrene Mitarbeiter:innen. Weil sie gerne zeigen, wie viel sie können bzw. wie viel sie sich zutrauen, kann es bei der Arbeit schon mal riskanter zugehen. Auch die AUVA-Unfallstatistik zeigt, dass Lehrlinge bzw. jugendliche Arbeitnehmer:innen in den ersten fünf Berufsjahren ein doppelt so hohes Unfallrisiko haben wie erfahrenere Mitarbeiter:innen. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen Kontrollverlust über Maschinen, Werkzeuge und Transportmittel, unkoordinierte Bewegungen sowie Sturz und Absturz.
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Prävention – im Klassenzimmer und im Betrieb
Um Arbeitsunfällen vorzubeugen, ist es wichtig, schon zu Beginn der Ausbildung den Grundstein für sicheres und gesundes Arbeiten zu legen. Der Einstieg in die Ausbildung ist der ideale Zeitpunkt, um grundlegende Kompetenzen zu vermitteln und nachhaltige Verhaltensweisen zu entwickeln.
Ob im Klassenzimmer oder im Betrieb: Ziel ist es, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und Jugendliche dabei zu unterstützen, sicher und verantwortungsbewusst zu handeln.
Dazu gehören:
- ein Bewusstsein für Gefahren und Risiken,
- das Erkennen von unsicheren Situationen,
- das richtige Verhalten im Arbeitsalltag,
- das Verständnis für Schutzmaßnahmen und Regeln.
Je klarer und strukturierter Sicherheits- und Gesundheitsthemen von Anfang an vermittelt werden, desto nachhaltiger wirken sie im späteren Berufsleben. Sicherheit und Gesundheit lassen sich aber nicht „nebenbei“ erlernen. Somit ist Prävention keine einmalige Maßnahme, sondern ein Lernprozess, der mit dem ersten Ausbildungstag beginnt.
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Sichere Lehrlingsausbildung im Betrieb umsetzen
Eine sichere Lehrlingsausbildung entsteht nicht zufällig – sie ist das Ergebnis bewusster Planung, klarer Verantwortlichkeiten und einer gelebten Sicherheitskultur. Voraussetzung dafür ist, dass Betriebe die besonderen gesetzlichen Schutzbestimmungen für Jugendliche (ArbeitnehmerInnenschutzgesetz/ASchG, Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz/KJBG und die entsprechenden Verordnungen/KJBG-VO) kennen und konsequent umsetzen – etwa zu Arbeitszeiten, Beschäftigungsbeschränkungen und Unterweisungspflichten.
Darüber hinaus müssen Gefährdungen systematisch erkannt und für Jugendliche verständlich vermittelt werden. Altersgerechte, praxisnahe und regelmäßig wiederholte Sicherheitsunterweisungen helfen, sicherheitsrelevantes Wissen nachhaltig zu verankern. Ebenso wichtig sind klar definierte Ansprechpersonen, die ständige Aufsicht durch eine geeignete fachkundige Person und eine enge Begleitung im Arbeitsalltag. Besonders prägend wirkt dabei die Vorbildwirkung von Ausbilder:innen und Führungskräften: Wenn sie selbst sicherheitsbewusst handeln, wird dieses Verhalten von Jugendlichen übernommen.
Verantwortung von Arbeitgebenden und Ausbildenden
Arbeitgeber:innen und Ausbilder:innen gestalten Rahmenbedingungen, Arbeitsabläufe und Lernprozesse und tragen somit eine besondere Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit von Jugendlichen in Ausbildung.
Eine sichere Ausbildung bedeutet:
- Arbeitsplätze und Arbeitsmittel jugendgerecht zu gestalten,
- Tätigkeiten schrittweise und dem Ausbildungsstand angepasst zu vermitteln,
- ausreichend Zeit einzuplanen für Anleitung, Fragen und Übung einzuplanen,
- eine offene Kommunikationskultur zu fördern, in der Unsicherheiten angesprochen werden können.
Sicherheit ist dabei kein Hindernis für Ausbildung, sondern eine Voraussetzung für erfolgreiches Lernen. Gerade bei Jugendlichen ist es wichtig, Sicherheitsmaßnahmen nicht nur technisch korrekt, sondern auch pädagogisch sinnvoll umzusetzen.Â
Mit der Lehre beginnt ein neuer Lebensabschnitt, in dem Eigenverantwortung gefragt ist. Doch die Jugendlichen müssen nicht nur gefördert und gefordert, sondern zu ihrem eigenen Schutz auch besonders beaufsichtigt werden. Die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber:innen spielt dabei eine ganz besondere Rolle, da sie gegenüber Jugendlichen noch stärker wahrgenommen werden muss.
Fragen über Fragen
Die Beschäftigung von Lehrlingen und sonstigen jugendlichen Arbeitnehmern:Arbeitnehmerinnen führt immer wieder zu Fragestellungen im Betrieb. Viele offene Fragen (z. B.: Darf mit einer bestimmten Maschine oder mit einem Arbeitsstoff gearbeitet werden?) entstehen bereits bei der „Jugendbeschäftigungs-Evaluierung“. Was jugendliche Arbeitnehmer:innen am Arbeitsplatz dürfen – und was nicht – ist in der Verordnung über Beschäftigungsverbote und -beschränkungen für Jugendliche (KJBG-VO) geregelt. Auch wenn die darin festgelegten Beschränkungen aus Sicht mancher Unternehmer:innen sehr streng erscheinen mögen, ist es doch sinnvoll, dass es entsprechende Regelungen gibt: Schließlich geht es darum, dass sich junge Menschen nicht schon am Beginn ihres Arbeitslebens aufgrund mangelnder Kenntnisse schwere Verletzungen zuziehen.
Antworten auf diese Fragen gibt z. B. das AUVA-Fachseminar für Lehrlingsausbilder:innen „Dürfen die das?“
Schule und Betrieb: gemeinsam für mehr Sicherheit
Jugendliche in Ausbildung lernen an zwei zentralen Orten: im Betrieb und in der Berufsschule. Beide tragen Verantwortung für Sicherheit und Gesundheit. Während im Unterricht Grundlagen zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz vermittelt werden, kann der Betrieb darauf aufbauen und die Inhalte arbeitsplatzspezifisch vertiefen. Besonders wirksam ist Prävention, wenn Schule und Betrieb aufeinander abgestimmt arbeiten und ein gemeinsames Verständnis von Sicherheit fördern.
Auch Lehrkräfte spielen eine wichtige Rolle: Sie sensibilisieren Jugendliche für Risiken, stärken das Sicherheitsbewusstsein und bereiten sie auf die Anforderungen des Berufslebens vor.
Warum sich Prävention in der Ausbildung langfristig auszahlt
Eine sichere und gesundheitsgerechte Ausbildung bringt Vorteile für alle Beteiligten:
- weniger Arbeitsunfälle und Ausfallzeiten
- höhere Ausbildungsqualität
- motivierte, leistungsfähige junge Fachkräfte
- rechtliche Sicherheit für Betriebe
- eine positive Sicherheitskultur im Unternehmen
Prävention ist damit nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern eine Investition in die Zukunft – für Betriebe, für junge Menschen und für die Gesellschaft insgesamt.Â
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Fazit: Sicherheit lernen heißt Zukunft sichern
Jugendliche in Ausbildung brauchen klare Strukturen, verständliche Regeln und engagierte Begleitung. Wenn Sicherheit und Gesundheit von Anfang an mitgedacht und gelebt werden, entsteht ein stabiles Fundament für ein langes, gesundes Arbeitsleben.
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Wie kann die AUVA unterstützen?
Das AUVA-Präventionsteam unterstützt mit dem Programm „JiA – Jugendliche in Ausbildung“ Betriebe, Ausbilder:innen, Sicherheitsfachkräfte und Lehrkräfte dabei mit praxisnahen Informationen, Workshops und Beratungsangeboten sowie weiterführenden Materialien – damit sicheres Arbeiten von Beginn an selbstverständlich wird.Â
Unterstützungsangebote für Betriebe
- persönliche Beratung für eine praxisgerechte Umsetzung der geforderten Regelungen
- Unterstützung bei der Erarbeitung neuer, innovativer Unterweisungskonzepte durch die Psychologen:Psychologinnen der AUVA
- fachliche Weiterbildung der Lehrlingsausbilder:innen und Aufsichtspersonen im Bereich der Unfallverhütung durch die AUVA (kann vor Ort im Betrieb organisiert werden)
- Infomaterialien
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Unterstützungsangebote für Berufsschulen und berufsbildende Schulen
- AUVA-Richtlinien zur Gefahrenunterweisung im Berufsschulunterricht gemäß KJBG-VO
- Beratungen und Hilfestellungen vor Ort bei der Gestaltung der Gefahrenunterweisung.
- Lehrbehelfssammlung - Sicher und gesund durch die Arbeitswelt
- Kostenlose AUVA-Medien, wie etwa die Broschüre „Sicheres Arbeiten in der Tischlerei“
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Mehr Infos zum "JiA-Angebot" der AUVA finden Sie im Blog-Beitrag „Sicherheit schulen: AUVA-Angebote für mehr Sicherheit in der Ausbildung".
Unser Fachseminar "Dürfen die das?" beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Arbeitssicherheit von Lehrlingen. Freuen Sie sich auf Praxistipps, um Jugendliche für das Thema Arbeitssicherheit im Betrieb zu gewinnen.
Nächste Termine:
- 19. März 2026, 3550 Langenlois (Infos und Anmeldung)
- 12. November 2026, Wr. Neustadt (Infos und Anmeldung)
Sie haben Fragen zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz? Das Präventionsteam der AUVA steht Ihnen gerne beratend zur Seite. Kontaktieren Sie uns unter sichereswissen@auva.at