ehrenberg-bilder/Adobe Stock Ein weiblicher und ein männlicher Jugendlicher mit Schutzbrillen schauen auf eine Drehbank in einer Werkstatt.

Lehrlings­unfälle: Häufige Unfallursachen und wie Prävention gelingen kann

Sichere Arbeitsroutinen entstehen nicht von selbst. Welche Unfallursachen bei Lehrlingen besonders häufig auftreten und wie Betriebe wirksam vorbeugen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

10.08.2026
1 Minute
Fachbereich Jugendliche
Schlagwörter: Lehrlinge, junge Arbeitnehmer:innen

Lehrlinge sind während ihrer Ausbildung besonderen Risiken ausgesetzt. Fehlende Erfahrung, eine vergleichsweise geringe Risikokompetenz und mangelnde Routine im Umgang mit Arbeitsmitteln, Arbeitsstoffen und betrieblichen Abläufen können das Unfallrisiko erhöhen. Umso wichtiger ist es, Sicherheit und Gesundheitsschutz von Beginn an in die Ausbildung zu integrieren. Werden sichere Arbeitsweisen frühzeitig vermittelt und Gefahren rechtzeitig erkannt, entstehen Routinen, die junge Menschen oft ein ganzes Berufsleben begleiten.

Jugendliche und Lehrlinge zählen im Arbeitnehmer:innenschutz zu den besonders schutzbedürftigen Personengruppen. Für sie gelten daher spezielle gesetzliche Regelungen, die über die allgemeinen Vorgaben des Arbeitnehmer:innenschutzgesetzes (ASchG) hinausgehen. Dazu zählen insbesondere das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz (KJBG) sowie die Verordnung über Beschäftigungsverbote und -beschränkungen für Jugendliche (KJBG-VO).

Typische Unfallursachen – erkennen und vermeiden

Im Jahr 2025 gab es in Österreich laut Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) 102.878 Lehrlinge in allen Branchen, im Bereich Gewerbe und Handwerk waren es 43.965 Lehrlinge. Laut Unfallstatistik der AUVA kam es in dieser Branche im selben Zeitraum zu 4.736 anerkannten Schadensfällen. Hauptunfallursache war dabei der Verlust der Kontrolle über eine Maschine oder ein Handwerkzeug.

Die Grundsätze der Gefahrenverhütung erfolgen nach dem STOP-Prinzip, um Gefährdungen systematisch zu reduzieren. Dabei werden Risiken zunächst durch Substitution, technische und organisatorische Maßnahmen minimiert, bevor persönliche Schutzausrüstung (PSA) zum Einsatz kommt. Anhand typischer Gefährdungen lässt sich zeigen, wie dieses Prinzip in der Praxis angewendet werden kann.

1) Arbeiten mit Arbeitsmitteln

Maschinen und Werkzeuge gehören in vielen Lehrberufen zum Arbeitsalltag. Gerade zu Beginn der Ausbildung fehlt jedoch häufig die Erfahrung, um Gefahrenstellen wie Einzugs-, Quetsch- oder Schnittstellen zuverlässig zu erkennen. Neben Maschinen und Werkzeugen zählen auch fehlende Schutzeinrichtungen oder unzureichende Unterweisungen zu den häufigen Ursachen schwerer Arbeitsunfälle.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Metalltechnik-Lehrling schneidet ein kleines, dünnes Blechteil auf einer großen Tafelschere und verletzt sich dabei am Finger.

Solche Unfälle lassen sich oft bereits durch die Auswahl eines geeigneteren Arbeitsmittels vermeiden. Das Blechteil könnte beispielsweise auf einer kleineren und sichereren Schlagschere bearbeitet werden. Ergänzend reduzieren Schutzgitter oder geeignete Fußschalter das Risiko von Schnitt- und Quetschverletzungen. Verpflichtend dazu ist eine Unterweisung, die dem Ausbildungsstand des Lehrlings entspricht, sowie die konsequente Wahrnehmung der Aufsichtspflicht. PSA ergänzt diese Maßnahmen.

Überprüfen Sie regelmäßig, ob die vermittelten Inhalte tatsächlich von den Lehrlingen verstanden wurden. Kurze Fragerunden oder Quizformate können dabei helfen.

2) Arbeiten mit Arbeitsstoffen

Gefährliche Arbeitsstoffe können Haut, Augen und Atemwege schädigen und sowohl akute Verletzungen verursachen als auch zu langfristigen Gesundheitsfolgen führen. Da ihre Wirkung oft nicht unmittelbar sichtbar ist, werden die Risiken durch Gefahrstoffe häufig unterschätzt.

Das zeigt auch der Arbeitsalltag eines Lackiertechnik-Lehrlings. Beim Lackieren der Karosserieteile kann er mit gesundheitsgefährdenden Stoffen in Verbindung kommen, die bei unzureichenden Schutzmaßnahmen langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

Prävention beginnt bereits bei der Auswahl der verwendeten Produkte. Wo möglich, sollten risikoärmere Alternativen – in diesem Fall Isocyanatfreie Lacksysteme – eingesetzt werden. Stellen Sie sicher, dass die Lackierkabine über eine technisch einwandfreie Absauganlage verfügt. Eine Reduzierung der Expositionszeit auf das erforderliche Minimum und die konsequente Einhaltung des Hautschutzplans tragen zusätzlich zur Risikominimierung bei. Geeignete PSA, beispielsweise Filtermasken, ergänzt die Schutzmaßnahmen.

Geeignete und regelmäßig gewartete Absauganlagen tragen in vielen Fällen dazu bei, das Gesundheitsrisiko zu minimieren. Sicherheitsdatenblätter enthalten wichtige Informationen über mögliche Gefahren von Arbeitsstoffen und deren richtige Handhabung und müssen daher aktiv in die Unterweisung eingebunden werden.

3) Heben, Halten und Tragen von Lasten

Manuelles Heben, Halten und Tragen von Lasten zählt zu den häufigsten körperlichen Belastungen am Arbeitsplatz. Hohe Lastgewichte, häufiges Heben und ungünstige Körperhaltungen erhöhen die Belastung des Muskel-Skelett-Systems und können das Risiko für Beschwerden steigern. Ziel ist es daher, Beschäftigte bereits in der Ausbildung für belastungsgerechtes Arbeiten zu sensibilisieren und gesundheitlichen Beschwerden vorzubeugen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Maurerlehrling unterstützt auf einer Baustelle beim Transport von Werkzeugen, Schalungsmaterial und kleineren Baumaterialien zu den jeweiligen Arbeitsbereichen. Ungünstige Hebe- und Tragetechniken sowie eine unzureichende Arbeitsvorbereitung erhöhen dabei die mechanische Belastung des Körpers.

Um diese Belastungen zu reduzieren, ist manuelles Lastenhandhaben zu vermeiden oder durch andere Arbeitsverfahren zu ersetzen. Technische Hilfsmittel wie Hebehilfen, Krane oder Transportwagen müssen konsequent genutzt werden. Darüber hinaus hilft eine gute Arbeitsorganisation: Materialien sollten möglichst nahe am Einsatzort bereitgestellt, Arbeitsabläufe vorausschauend geplant und schwere oder unhandliche Lasten nach Möglichkeit zu zweit bewegt werden. Ergänzend müssen Lehrlinge bereits frühzeitig belastungsgerechte Hebe-, Halte- und Tragetechniken erlernen und anwenden und die Inhalte der Unterweisungen im Arbeitsalltag konsequent umsetzen.

Eine ergonomische Arbeitsgestaltung, der konsequente Einsatz technischer Hilfsmittel sowie regelmäßige Unterweisungen tragen wesentlich dazu bei, körperliche Belastungen zu reduzieren und Muskel-Skelett-Beschwerden vorzubeugen.

4) Psychische Belastung als Unfallfaktor

Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz umfasst nicht nur körperliche Belastungen. Auch psychische Belastung kann das Unfallrisiko erhöhen. Zeitdruck, unklare Arbeitsaufträge oder mangelnde Unterstützung beeinträchtigen Aufmerksamkeit, Konzentration und Lernfortschritt indirekt.

Ein typisches Beispiel: Ein Lehrling erhält gleichzeitig von mehreren Personen unterschiedliche oder sogar widersprüchliche Arbeitsaufträge. Die Folge können Verunsicherung, Überforderung und Fehler bei der Arbeitsausführung sein.

Auch in diesem Fall unterstützt das STOP-Prinzip dabei, Risiken systematisch zu minimieren. Bereits im Vorfeld müssen die Verantwortlichkeiten sowie die für den Lehrling weisungsbefugten Personen eindeutig festgelegt werden. Eine gemeinsame digitale Aufgabenverwaltung mit Prioritätenliste schafft zusätzliche Transparenz. Klare Arbeitsabläufe, verständliche Arbeitsanweisungen, ein Mentorensystem und regelmäßige Feedbackgespräche geben Orientierung und fördern sicheres Arbeiten.

Ermutigen Sie Lehrlinge, bei widersprüchlichen Anweisungen oder Unsicherheiten sofort Rücksprache mit ihrer zuständigen Ansprechperson zu halten. Eine offene Fehlerkultur und feste Ansprechpersonen fördern sicheres Arbeiten und stärken das Vertrauen junger Beschäftigter.

5) Arbeiten auf Baustellen

Baustellen verändern sich laufend: Wechselnde Arbeitsabläufe, unterschiedliche Gewerke und sich verändernde Arbeitsbereiche erfordern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Lehrlinge müssen daher lernen, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und abgesicherte Arbeitsbereiche zu nutzen. Dass hier ein besonderes Unfallrisiko besteht, zeigt auch ein Blick auf die Unfallstatistik der AUVA: 2025 kam es zu 758 anerkannten Arbeitsunfällen von Lehrlingen im Zusammenhang mit Sturz- und Absturzereignissen.

Ein Beispiel: Ein Maurerlehrling im ersten Lehrjahr arbeitet auf einem Gerüst in großer Höhe. Ohne geeignete Schutzmaßnahmen kann bereits ein kleiner Fehler schwerwiegende Folgen haben.

Arbeiten sind in geringerer Höhe durchzuführen. Technische Maßnahmen wie Seitenschutz oder Auffangsysteme bilden die Grundlage eines sicheren Arbeitsplatzes. Unterweisungen auf der Baustelle, die Gefahrenunterweisung im Berufsschulunterricht sowie eine angemessene Aufsicht sind erforderlich. PSA vervollständigt das Schutzkonzept.

Kontrollieren Sie vor Arbeitsbeginn, ob Gerüste und Absturzsicherungen frei von Mängeln sind und nur ausgewiesene Verkehrswege benutzt werden. Stellen Sie sicher, dass die erforderliche Gefahrenunterweisung im Berufsschulunterricht erfolgreich absolviert wurden.

6) Arbeiten mit elektrischem Strom

Elektrounfälle sind zwar vergleichsweise selten, führen jedoch oft zu schweren Verletzungen. Zu den häufigsten Ursachen zählen defekte Betriebsmittel. Besonders tückisch ist, dass elektrischer Strom unsichtbar ist und Gefahren daher leicht unterschätzt werden. Zudem bleibt es oftmals nicht beim Stromschlag selbst: Elektrounfälle können schwere Sekundärunfälle auslösen, etwa wenn Betroffene von der Leiter abstürzen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Lehrling möchte in der Pause Akkus für Maschinen laden und schließt das Ladegerät an eine Kabeltrommel an, deren Isolierung beschädigt ist. Was zunächst wie ein kleiner Mangel erscheint, kann schwerwiegende Folgen haben.

Um das Risiko von Elektrounfällen zu verringern, müssen defekte Betriebsmittel (Kabeltrommeln, Verlängerungskabel, Ladegeräte) sofort der Nutzung entzogen und versperrt werden. Darüber hinaus dürfen ausschließlich baustellentaugliche Arbeitsmittel mit funktionierenden Fehlerstrom-Schutzschaltern (FI/RCD) verwendet werden. Im Rahmen der Unterweisung lernen Lehrlinge, vor jedem Anstecken eine Sichtprüfung von Kabeln, Steckern und Gehäusen durchzuführen. Dadurch können Beschädigungen rechtzeitig erkannt, Gefahrenquellen beseitigt und gefährliche Situationen bereits vor dem Anschließen eines Geräts vermieden werden.

Die verpflichtende Sichtprüfung von Kabeln, Steckern und Gehäusen muss fester Bestandteil jeder Unterweisung sein. So lernen Lehrlinge, Beschädigungen frühzeitig zu erkennen, niemals mit oder an beschädigten Geräten zu arbeiten und potenzielle Gefahrenquellen zu beseitigen. Der Grundsatz „Ausschließlich im spannungsfreien Zustand arbeiten“ ist Lehrlingen von Anfang an konsequent zu vermitteln.

Fazit: Sichere Routinen von Beginn an fördern

Viele Arbeitsunfälle von Lehrlingen lassen sich vermeiden. Entscheidend ist, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen konsequent umzusetzen. Das STOP-Prinzip bietet dafür eine praxisnahe Orientierung. Werden sichere Arbeitsweisen von Beginn an vermittelt und regelmäßig geübt, entwickeln sich Routinen, die nicht nur das Unfallrisiko reduzieren, sondern auch die Grundlage für ein sicheres und gesundes Berufsleben schaffen. Davon profitieren sowohl die jungen Beschäftigten als auch die Betriebe – durch weniger Arbeitsunfälle, mehr Handlungssicherheit und eine gelebte Sicherheitskultur.

Prävention wirkt dabei am nachhaltigsten, wenn sie als fester Bestandteil der Ausbildung verstanden wird. Betriebe, Ausbilder:innen und Bildungseinrichtungen tragen gemeinsam dazu bei, das Sicherheitsbewusstsein junger Menschen zu stärken und einen sicheren Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.

Die AUVA unterstützt dabei mit einem breiten Präventionsangebot – von Beratungen und Informationsmaterialien über Schulungen für Ausbilder:innen bis hin zu Angeboten für Bildungseinrichtungen und Betriebe im Rahmen von „Jugendliche in Ausbildung (JiA)“. So hilft die AUVA, Sicherheit und Gesundheitsschutz bereits in der Ausbildung nachhaltig zu verankern und Arbeitsunfälle langfristig zu vermeiden (siehe Blog-Beitrag „Sicherheit schulen: AUVA-Angebote für mehr Sicherheit in der Ausbildung").

Sie haben Fragen zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz? Das Präventionsteam der AUVA steht Ihnen gerne beratend zur Seite. Kontaktieren Sie uns unter sichereswissen@auva.at