Mehr Ruhe im Kraftwerk: Eine besondere Herausforderung
Hohe Lärmbelastung, Denkmalschutz und steigende Anforderungen an konzentriertes Arbeiten: Das Alvierwerk BĂ¼rs zeigt, wie Prävention auch unter besonderen Rahmenbedingungen gelingen kann.
Das Alvierwerk in BĂ¼rs zählt zu den ältesten noch in Betrieb befindlichen Kraftwerken Ă–sterreichs. Es wurde 1910 errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Die offen gebauten Generatoren und Turbinen prägen nicht nur das historische Erscheinungsbild des Kraftwerks, sondern sorgen auch fĂ¼r eine hohe Lärmbelastung in der Maschinenhalle und den angrenzenden Bereichen.
Gemeinsam mit AUVAsicher hat Getzner Energie die Situation analysiert und gezielte MaĂŸnahmen umgesetzt. Im Interview spricht Bernhard Massimo, Leiter Energie der Firma Getzner, Mutter & Cie, Ă¼ber die Herausforderungen, die Bedeutung objektiver Messungen und die Erkenntnisse, die andere Betriebe aus diesem Projekt mitnehmen können.
Im Video geben Bernhard Massimo und AUVAsicher-Sicherheitsfachkraft Markus Hammerer einen kurzen Einblick vor Ort: Warum Lärm im Alvierwerk zum Thema wurde, welche Lösung umgesetzt wurde und was andere Betriebe aus dem Projekt mitnehmen können.
Bernhard Massimo leitet den Bereich Energie bei Getzner, Mutter & Cie in Vorarlberg. Zu seinem Verantwortungsbereich gehören unter anderem die Wasserkraftwerke des Unternehmens, darunter auch das denkmalgeschĂ¼tzte Alvierwerk in BĂ¼rs.
Herr Massimo, was war der Auslöser, sich intensiver mit dem Thema Lärmprävention im Alvierwerk auseinanderzusetzen?
Massimo: Durch die regelmĂ¤ĂŸigen Kontakte zu AUVAsicher und die RĂ¼ckmeldungen der betroffenen Mitarbeiter wurde auf die besondere Lärmsituation aufmerksam gemacht. Die Entscheidung, VerbesserungsmaĂŸnahmen umzusetzen, ist noch unter meinem Vorgänger gefallen, der gemeinsam mit der Betreuung durch AUVAsicher entsprechende MaĂŸnahmen erarbeitet hat.
Welche Arbeitsbereiche waren von der Lärmbelastung besonders betroffen – und warum war die Warte ein zentraler Ansatzpunkt fĂ¼r Verbesserungen?
Massimo: Der Raum, in dem sich die Warte befindet, ist der zentrale Ausgangspunkt, Besprechungsort, und fĂ¼r die Maschinenwärter der häufigste Arbeitsort im Kraftwerk. Daher ist eine möglichst geringe Lärmbelastung in diesem Raum besonders wichtig. Gleichzeitig sind die Anforderungen an diesen Arbeitsplatz gestiegen: Neben der AnlagenĂ¼berwachung werden hier zunehmend Planungsaufgaben durchgefĂ¼hrt, die Konzentration und eine gute Kommunikation erfordern. Deshalb war die Warte ein zentraler Ansatzpunkt fĂ¼r Verbesserungen.
Objektive Messungen schaffen die Grundlage fĂ¼r Verbesserungen
Bereits frĂ¼h wurde die Lärmsituation im Alvierwerk durch AUVAsicher analysiert. Die Messergebnisse lieferten eine objektive Grundlage fĂ¼r die weitere Planung.
Welche Rolle spielten AUVAsicher und die objektiven Lärmmessungen bei Ihrer Entscheidungsfindung?
Massimo: Die Lärmmessungen der AUVA und der daraus resultierende Bericht haben uns bei der Entscheidungsfindung sehr geholfen. Die Situation wurde dadurch transparent dargestellt und die Lärmbelastung objektiv sichtbar gemacht. Auf dieser Grundlage konnten die passenden MaĂŸnahmen abgeleitet und umgesetzt werden.
Im Zuge der sicherheitstechnischen Beratung haben wir die Lärmsituation analysiert und bewertet. Auf Basis der Ergebnisse wurden gemeinsam mit dem Betrieb geeignete Maßnahmen entwickelt. Ziel war es, den Steuerstand als Bereich für konzentrierte Tätigkeiten wirksam vom Lärm der Turbinenhalle abzugrenzen. Das Beispiel zeigt, dass Prävention besonders erfolgreich ist, wenn Risiken systematisch analysiert und gemeinsam Lösungen entwickelt werden.
Denkmalschutz und ArbeitÂnehmer:innenÂschutz gemeinsam gedacht
Das Alvierwerk steht unter Denkmalschutz. Welche besonderen Herausforderungen ergaben sich dadurch bei Planung und Umsetzung der LärmschutzmaĂŸnahmen?
Massimo: Die LärmschutzmaĂŸnahmen wurden mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt und so ausgefĂ¼hrt, dass der Charakter des Gebäudes erhalten blieb. Die geplanten MaĂŸnahmen wurden gemeinsam vor Ort besprochen und bewertet. Die Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt Vorarlberg verlief sehr unkompliziert und konstruktiv, was wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung beigetragen hat.
Sie haben sich fĂ¼r den Umbau der bestehenden Glaswand entschieden. Warum fiel die Wahl auf diese Lösung – und nicht auf andere mögliche MaĂŸnahmen?
Massimo: Die Mitarbeiter sind es gewohnt, einen freien Blick auf die Maschinensätze zu haben. Diese Sichtverbindung erleichtert auch die Kommunikation. Deshalb haben wir uns fĂ¼r eine Lösung entschieden, die sowohl die freie Sicht erhält als auch die optischen Eingriffe in das Gebäude minimiert. DafĂ¼r wurde die bestehende Glaswand adaptiert, die Glasfläche in der Höhe reduziert sowie Schallschutzglas und schallabsorbierende Materialien eingesetzt. Auch die Mitarbeiter wurden in die Ăœberlegungen einbezogen.
Bilder obere Reihe: Die neue, niedrigere Lärmschutzwand im Alvierwerk in BĂ¼rs. Links: Blick aus der Turbinenhalle auf die Lärmschutzwand, hinter der sich die Warte befindet. Rechts: Blick aus der Warte in die Turbinenhalle. (Beide Fotos: AUVA/R.Reichhart)
Bilder untere Reihe: Die hohe Glas-Trennwand zwischen Turbinenhalle und Warte vor dem Umbau. (Beide Fotos: Getzner, Mutter & Cie.)
SpĂ¼rbare Verbesserungen im Arbeitsalltag
Nach dem Umbau konnten die Lärmwerte in der Warte deutlich gesenkt werden. Welche Bedeutung haben diese messbaren Ergebnisse fĂ¼r Sie als Arbeitgeber?
Massimo: Die Auswirkungen der umgesetzten MaĂŸnahmen sind im Arbeitsalltag deutlich spĂ¼rbar. Durch die geringere Lärmbelastung wird der Raum durch die Mitarbeiter heute intensiver genutzt und Abstimmungen Ă¼ber laufende Tätigkeiten funktionieren wesentlich besser. Themen können ausfĂ¼hrlicher besprochen werden, wodurch Missverständnisse reduziert werden. Das verbessert die Zusammenarbeit im Team und trägt zu einer höheren Arbeitsqualität bei.
Jede Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist ein Gewinn für die Gesundheit der Beschäftigten – und oft zahlt sie sich auch wirtschaftlich aus.
Was andere Betriebe daraus lernen können
Welche Erkenntnisse aus diesem Projekt wĂ¼rden Sie anderen Unternehmen mit vergleichbaren Rahmenbedingungen – etwa in Bestands- oder denkmalgeschĂ¼tzten Gebäuden – mitgeben?
Massimo: Auch wenn die Umsetzung mit Herausforderungen verbunden ist: Es zahlt sich aus, nach Lösungen zu suchen. Sofern eine MaĂŸnahme wirtschaftlich vertretbar ist, können gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt und anderen Beteiligten meist gute Wege gefunden werden. Jede Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist ein Gewinn fĂ¼r die Gesundheit der Beschäftigten – und oft zahlt sie sich auch wirtschaftlich aus.
Sind weitere MaĂŸnahmen geplant, um ruhige Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern – und was versprechen Sie sich davon?
Massimo: Organisatorisch ist es uns bereits gelungen, die Aufenthaltsdauer der Beschäftigten in der Warte zu reduzieren. Das Berufsbild hat sich verändert und die Mitarbeitenden sind heute häufiger im Kraftwerk unterwegs. Derzeit werden jedoch noch elektrische und mechanische Planungsarbeiten in diesem Raum durchgefĂ¼hrt. Deshalb planen wir, die Planungstätigkeiten kĂ¼nftig in ein Nebengebäude zu verlagern, das dafĂ¼r aber noch entsprechend adaptiert werden muss.
Wenn Sie das Projekt in einem Satz zusammenfassen mĂ¼ssten: Was zeigt dieses Beispiel Ă¼ber den Stellenwert von Prävention und Arbeitnehmer:innenschutz bei Getzner?
Massimo: Gesundheit am Arbeitsplatz ist eine gemeinsame Verantwortung von Unternehmen und Beschäftigten. Wenn MaĂŸnahmen gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden, profitieren beide Seiten davon.
Fazit: Prävention lohnt sich
Das Alvierwerk BĂ¼rs zeigt, dass sich historisch gewachsene Rahmenbedingungen und moderne Anforderungen an den Arbeitnehmer:innenschutz erfolgreich miteinander verbinden lassen. Entscheidend waren die enge Zusammenarbeit zwischen Betrieb, Beschäftigten, AUVAsicher und Bundesdenkmalamt sowie die Bereitschaft, gemeinsam nach einer passenden Lösung zu suchen.
FĂ¼r andere Betriebe liefert dieses Projekt eine wichtige Erkenntnis: Auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen lassen sich wirksame MaĂŸnahmen umsetzen. Investitionen in die Gesundheit der Beschäftigten verbessern nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern wirken sich auch positiv auf Kommunikation, Zusammenarbeit und Arbeitsqualität aus.
Markus Hammerer (AUVAsicher) und Bernhard Massimo (Getzner, Mutter & Cie.)
Bei Fragen zum Thema steht Ihnen das AUVA-Präventionsteam gerne zur VerfĂ¼gung. Kontaktieren Sie uns unter sichereswissen@auva.at