Parilov Stock/Adobe Stock Ein Mann schaufelt Schnee von einem Dach

Schnee am Dach: Vorsicht vor Ein- und Absturz­gefahren!

Schneelast auf Dächern kann gefährlich werden – vor allem für jene, die sie entfernen. Beim Abschaufeln der Dächer kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Welche Risiken bestehen und wie diese Arbeiten sicher durchgeführt werden können, haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

09.01.2026
3 Minuten
Fachbereich Prävention

Auch wenn Gebäude so konstruiert sein sollten, dass sie den ortsüblichen Schneelasten standhalten, kommt es immer wieder vor, dass Dächer von größeren Schneemengen befreit werden müssen, um Einstürze zu verhindern. Dies ist im Vorfeld zu organisieren. Es sind auch die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um das Abschaufeln gefahrlos durchführen zu können.

 

Fehlende Planung erhöht das Risiko

Aufgrund der österreichischen Baugesetze und des Normenwerks für Dächer sollte das Schneeräumen nur bei Extremwetterlagen notwendig sein. Denn die Bauwerke sollten sowohl von der Lastannahme als auch von der Gebäudestatik her für überdurchschnittliche Schneemassen konzipiert sein. Trotzdem kann es witterungsbedingt zu Situationen kommen, die ein Abschaufeln von Dächern erfordern. Dabei sind gute Planung und größte Vorsicht geboten!

Steigt man ungesichert aufs Dach, erhöht sich das Risiko, durch Fehltritte oder auch als Folge eines witterungsbedingten Ausrutschens abzustürzen. Dächer mit Wellplatten aus Faserzement („Welleneternit“) sind nicht durchbruchsicher. Sie dürfen nur betreten werden, wenn sichere Verkehrswege vorhanden sind. Eine weitere Gefahrenquelle sind nicht-durchbruchsichere Dachöffnungen (z. B. Lichtkuppeln, Dachausstiegsfenster) oder nicht-durchbruchsichere Dachelemente (Lichtelemente), die aufgrund der Schneemassen nicht sichtbar sind. Tritt man darauf, ist die Gefahr hoch, in das Gebäudeinnere zu stürzen.
 
Um Unfälle zu vermeiden, rät die AUVA dringend, nur Fachleute aufs Dach steigen zu lassen. Sie haben die nötige Erfahrung und Ausrüstung, um diese Aufgabe sicher zu erledigen. Katastrophenhilfsdienste und Feuerwehr dürfen nicht als fixer Bestandteil in die Planung für die Schneeräumung einbezogen werden, da diese wirklich nur im Katastrophenfall zum Einsatz kommen, und auch dann nur helfen können, wenn ihre eigene Sicherheit gewährleistet ist.

lgnuf Ein Haus in den Bergen mit Schnee am Dach

Sicherheit geht vor – auch für Profis!


Die Gefahren im Zusammenhang mit dem Abschaufeln von Dächern werden leider oft falsch eingeschätzt – selbst von erfahrenen Profis. Aufgrund von Zeitdruck und/oder Kälte kommt es vor, dass die entsprechenden Vorbereitungsarbeiten zu kurz ausfallen oder ganz ausgelassen werden. Um die notwendigen Arbeiten jedoch sicher durchführen zu können, sind entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen.

 

Wichtig VOR Betreten des Daches
  • Abklären, ob das Dach einer zusätzlichen Belastung standhält.
  • Abklären, ob Dacheinbauten oder Dachaufbauten (z. B. Lichtkuppeln, Lichtelemente, Glasdächer, Photovoltaik-Anlagen, Solaranlagen) vorhanden sind. Falls ja: Wo befinden sich diese und sind diese durchbruchsicher?
  • Abklären, ob es Sicherungssysteme (z. B. Seilführungssysteme am Dach, Anschlagpunkte) gibt und wo diese angebracht sind. Ermitteln, ob diese zugänglich und benutzbar sind oder ob Ersatzmaßnahmen getroffen werden müssen.
  • Bei größeren Dächern: Festlegen der Räumrichtung und der Reihenfolge einer feldweisen Räumung durch eine fachkundige Person. Bei einseitiger Entfernung des Schnees können Stabilitätsprobleme an der Dachkonstruktion auftreten. Für eine gleichmäßige Belastung der Dachkonstruktion soll der Schnee abschnittsweise abwechselnd auf der einen und der anderen Dachseite entfernt werden.
  • Absichern von Gefahrenzonen im und rund um das Gebäude (z. B. durch Absperrungen oder Warnposten) im Vorfeld der Arbeiten, damit keine Personen verletzt werden.
  • Festlegen der Rettungsmöglichkeiten und -maßnahmen für möglicherweise abgestürzte Personen. Diese Maßnahmen sind bereits im Vorfeld zu klären, sodass sie im Einsatzfall vorliegen.

 

Wichtig BEIM Betreten des Daches
  • Dächer dürfen nur gesichert betreten werden (§87 BauV, §11 AStV).
  • Sind etwaige Sicherungssysteme unter den Schneemassen auffindbar und wenn ja, sind diese auch funktionsfähig? Wenn nicht, müssen Ersatzmaßnahmen getroffen werden wie z. B. Seile, die über das Dach gespannt werden, oder die Sicherung am stillgesetzten LKW-Kran (dazu sind die Handlungsanleitungen laut den DACHS-Dokumenten unbedingt einzuhalten; siehe PDF "Stillgesetzter ortsveränderlicher Kran als Anschlagmöglichkeit für PSA gegen Absturz").
  • Dacheinbauten und Dachaufbauten, z. B. aus Kunststoff, sind als nicht-durchbruchsichere Bereiche anzusehen.
  • Alleinarbeit ist strengstens verboten. Im Falle eines Absturzes oder eines Durchbruchs muss eine unverzügliche Rettung der Person gewährleistet sein, da selbst dann, wenn Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) verwendet wird, durch ein mögliches Hängetrauma bereits ab ca. 10 Minuten Lebensgefahr besteht.

Bei Fragen zum Thema steht Ihnen das AUVA-Präventionsteam gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns unter sichereswissen@auva.at