R.Reichhart / AUVA Schulbub blickt zwischen parkenden Fahrzeugen auf einen herannahenden PKW:

"Siehst du wirklich, was ich sehe?": App für den Unterricht

Wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene dieselbe Verkehrssituation wahrnehmen, zeigt eine neue App von AUVA und dem Institut "sicher unterwegs". Melden Sie sich jetzt zum Einschulungs-Webinar an und erhalten Sie Ihren kostenlosen App-Zugang!

23.01.2026
4 Minuten
Marie North
Schlagwörter: Verkehrssicherheit, Schule, Kindergarten

Was sieht das Kind (nicht)? Was sieht der:die LKW-Fahrer:in (nicht)? Jede:r Verkehrsteilnehmende nimmt Situationen im Straßenverkehr unterschiedlich wahr. Die App „Siehst du wirklich, was ich sehe?“ fördert die Verkehrssicherheit, indem sie alle möglichen Blickwinkel auf eine Verkehrssituation und daraus resultierende potenzielle Gefahrenmomente berücksichtigt bzw. aufzeigt. Im Fokus stehen dabei Perspektivenübernahme, Gefahrenwahrnehmung und das Erlernen von Verkehrskompetenz.

Die kostenlose App zum Download richtet sich als wichtiges Werkzeug der Prävention an Volksschulen, weiterführende Schulen und Fahrschulen. Nutzer:innen erhalten maßgeschneiderte Präventionsmaßnahmen und Empfehlungen.

Um Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden, ist es wesentlich, gefährliche Situationen rechtzeitig zu erkennen. Vor allem Kinder müssen erst lernen, Gefahren zu erfassen, zu beurteilen und richtig auf sie zu reagieren. Aber auch Erwachsene können von der App profitieren. Entwickelt wurde sie von der AUVA und dem verkehrspsychologischen Institut sicher unterwegs.

Das Angebot richtet sich speziell an Bildungseinrichtungen (Stichwort Mobilitätsbildung) und Fahrschulen. Die App kann im Verkehrsunterricht in der Volksschule und Sekundarstufe sowie in der Fahrschulausbildung bzw. -weiterbildung zum Einsatz kommen.

Video: Präsentation der Verkehrssicherheits-App "Siehst Du wirklich, was ich sehe?" (Videocredit: AUVA/R. Raggam).

Voraussetzung für den App-Zugang

Um die App nutzen zu können, ist die Teilnahme am kostenlosen 90-minütigen Webinar "Siehst du wirklich, was ich sehe?" erforderlich. Dort erhalten die Teilnehmer:innen eine Einschulung zu den Funktionsweisen der App und erfahren, wie sie diese im Unterricht einsetzen können. Anschließend stehen der App-Download sowie ergänzende Schulungsmaterialien zur Verfügung.

Das Webinar kann über die AUVA-Schulungsplattform AUVKurs gebucht werden.

Aktuelle Webinartermine

Die App steht Bildungseinrichtungen – speziell Pädagogen:Pädagoginnen in der Mobilitätsbildung – und Fahrschulen nach der Einschulung kostenfrei zur Verfügung.

 

Was zeigt die App?

Im Straßenverkehr herrscht ein dynamisches Mobilitätsumfeld, mit einer Vielzahl an Verkehrsteilnehmenden, die sich unterschiedlich fortbewegen – sei es mit dem Auto, mit dem Rad, mit dem LKW, mit dem Roller oder auch zu Fuß. Um Gefahren frühzeitig zu erkennen, die Handlungen anderer vorausschauend einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren, braucht es Aufmerksamkeit, Konzentration und Verständnis für die Komplexität einer Verkehrssituation.

In der App werden die Blickwinkel von zehn verschiedenen Verkehrsteilnehmenden an einer vierarmigen Kreuzung gezeigt. Jede:r hat je nach Verkehrsmittel andere Sichteinschränkungen. Die unterschiedlichen Perspektiven können jeweils für sich alleine, gegenübergestellt oder im Gesamtüberblick dargestellt und diskutiert werden. 

Alex Kawka Szene aus der Verkehrssicherheits-App: Vogelperspektive auf eine Straßenkreuzung

Gedreht wurde an einer real existierenden Kreuzung. Die Überblicksaufnahmen wurden mit Hilfe eines Krans 30 Meter über dem Boden erstellt. 

 

Die App ...

... soll den Nutzern:Nutzerinnen bewusst machen, dass jede:r Verkehrsteilnehmende seine eigene subjektive Sicht (samt Einschränkungen wie z. B. tote Winkel) auf eine Verkehrssituation hat, welche sich von der Sicht des anderen unterscheidet.

Alex Kawka Linkes Bild: Bub steht neben PKW am Straßenrand. Rechtes Bild: Bilck vom Fahrersitz des PKW auf dieselbe Verkehrssituation

Wie Kinder das Verkehrs­geschehen wahrnehmen

Die App eignet sich besonders für die Mobilitätserziehung von Kindern. Vor allem im Kindergarten bzw. in der Volksschule verfügen sie noch nicht über dieselben Wahrnehmungsmöglichkeiten wie Erwachsene. Schon allein aufgrund ihrer Größe nehmen Kinder Verkehrssituationen anders war als Erwachsene und reagieren auch auf potenzielle Gefahren anders bzw. nicht so schnell. Neben den physischen Unterscheidungsmerkmalen gibt es psychologische bzw. kognitive Aspekte zu berücksichtigen. 

 

Alex Kawka Grafik: Entwicklung von Gefahrenwahrnehmung und Gefahrenbewusstsein bei Kindern

Heranwachsende durchlaufen verschiedene Entwicklungsstufen in punkto Gefahrenwahrnehmung. Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme entwickelt sich erst im Laufe der Kindheit bzw. Jugendzeit. Das Verständnis von Risiken wächst mit zunehmendem Alter. Erst mit 9 bis 10 Jahren ist es Kindern möglich, sich bewusst präventiv zu verhalten. Mit 12 bis 14 Jahren sind die Wahrnehmungsfähigkeiten von Heranwachsenden annähernd vergleichbar mit jenen der Eltern. 

 

Wichtig in diesem Zusammenhang

Kinder lernen am Modell. Heranwachsende orientieren sich in ihrem Verhalten sehr oft an starken Modellen, wie Elternteilen oder älteren Geschwistern. Erwachsene sollten sich ihrer Vorbildwirkung im Straßenverkehr immer bewusst sein. 

Wie nehmen Kinder den Straßenverkehr wahr? Erfahren Sie mehr im Interview mit Verkehrspsychologin Bettina Schützhofer. 

 

Kostenloses Schulungs­material 

Die Lernmaterialen wurden wissenschafts- und unfalldatenbasiert erarbeitet. Das Foto- und Videomaterial wurde im Realverkehr produziert. Das ergänzende Einschulungsvideo bietet zudem den wissenschaftlichen und theoretischen Hintergrund zur Anwendung der App sowie didaktische Tipps für die Arbeit im Klassen- oder Schulungsraum.


Das Schulungsmaterial wird Bildungseinrichtungen und Fahrschulen im Zuge des Webinars kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Kinder und Verkehrs­kompetenz: AUVA-Angebote 

  • Das Thema Unfallprävention im Straßenverkehr ist der AUVA ein großes Anliegen, speziell wenn es um Kinder geht. Zu den Themen Kinder, Verkehrssicherheit und Schule kann man bei der AUVA diverse Infomaterialen und Broschüren kostenlos bestellen.
  • In Zusammenarbeit mit dem Institut „sicher unterwegs“ bietet die AUVA zudem ein breites Angebot an Schulungen und Workshops für Kinder, insbesondere Schüler:innen, Eltern und Pädagogen:Pädagoginnen an.  
  • Die interaktive Lernplattform „mein sicherer Schulweg“ bietet Infos und Tipps für Kinder, Eltern und Pädagogen:Pädagoginnen rund um das Thema Verkehrssicherheit. Es geht vor allem um Volksschulkinder und deren Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens. Über die Kommentarfunktion können individuelle Fragen gestellt werden. 

Bei Fragen zum Thema steht Ihnen das AUVA-Präventionsteam gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns unter sichereswissen@auva.at