Gesund digital Arbeiten
Ein Angebot zur Arbeitsgestaltung im Rahmen von AUVAfit in Kooperation mit der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) mit dem Ziel, psychosoziale Risiken digitaler Technologienutzung zu reduzieren und das positive Potenzial zu verwirklichen.
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Digitale Arbeit gesund gestalten – Risiken erkennen, Chancen nutzen
Digitale Tools und der immer stärkere Einsatz und Wandel von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und künstlicher Intelligenz (KI) verändern die Arbeitswelt rasant. Je nach Arbeitsorganisation können digitale Anwendungen höhere zeitliche und örtliche Flexibilität oder den Wegfall ungeliebter (Routine-)Tätigkeiten bedeuten. Andererseits kann der Einsatz dieser Anwendungen auch zu mehr Unterbrechungen, Zeitdruck, Stress, zu einer höheren Arbeitsverdichtung und dem Gefühl ständiger Überwachung führen. Auch die Tools selbst bzw. der rasche Wandel solcher Anwendungen können zu erhöhter Belastung beitragen und negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Beschäftigten haben. Beispiele dafür sind schlechter Schlaf, mangelnde Erholung, starke Erschöpfung und Burnout bis hin zu körperlichen Erkrankungen.
In einer deutschen Online-Studie wurden rund 5000 Erwerbstätige zu digitalem Stress und ihrem Gesundheitszustand befragt. Betroffene von hohem digitalem Stress berichten nicht nur häufiger von einem insgesamt schlechteren Gesundheitszustand, sondern leiden auch vermehrt unter konkreten Erkrankungen: Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologisch-sensorischen Erkrankungen und – seltener – Verdauungsproblemen.
Besonders auffällig: 39 % der Personen mit hohem digitalem Stress leiden an psychischen Beeinträchtigungen. Das sind fast dreimal so viele wie bei jenen mit geringem digitalem Stress (14 %).
Nähere Informationen zum Projekt:
Angebot "Gesund digital arbeiten"
Ob der Einsatz digitaler Anwendungen (z. B. Programme, Apps, Künstliche Intelligenz etc.) zu größerer Flexibilität oder zu zusätzlichen negativen Belastungen führt, ist ganz wesentlich eine Frage der Arbeitsgestaltung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, kommt dem betrieblichen Gesundheitsschutz eine wichtige Rolle zu.
Genau hier setzt das Präventionsprogramm "Gesund digital arbeiten" an. Mithilfe eines neuen, wissenschaftlich fundierten Methodenmixes werden unter Beteiligung der Mitarbeitenden Belastungsfaktoren im Umgang mit digitalen Anwendungen sichtbar gemacht. Die sozialwissenschaftliche Begleitung durch FORBA stellt sicher, dass die Ergebnisse fundiert, praxisnah und unmittelbar für den betrieblichen Gesundheitsschutz nutzbar sind.
Auf Grundlage der erhobenen Belastungsfaktoren digitaler Arbeit werden gemeinsam mit den Beschäftigten passgenaue Lösungen für die identifizierten Handlungsfelder entwickelt. Sämtliche Ergebnisse werden in einem Bericht für die Verantwortlichen im Unternehmen (sowie dem Betriebsrat) anonymisiert zusammengefasst. Sie bilden die Basis für die Umsetzung gezielter Maßnahmen zur Förderung gesunder digitaler Arbeit. Die erhobenen personenbezogenen Daten verbleiben beim Forschungsinstitut bzw. den jeweiligen Teilnehmenden.
So profitieren Unternehmen vom Projekt:
- Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse
- Sichtbarmachung belastender Arbeitssituationen und Entwicklung konkreter Lösungsstrategien
- Förderung von Austausch und aktiver Beteiligung der Beschäftigten
- Stärkung von Teamgeist, Vertrauen und Zusammenarbeit, und damit des Betriebsklimas
- Fundierte Entscheidungsgrundlagen für den betrieblichen Gesundheitsschutz und höhere Arbeitsqualität
- Teilnahme an einem innovativen Forschungsprojekt – auf Wunsch mit Nennung als Best-Practice-Beispiel und Projektpartner:in bei allen Präsentationen
Kurz gesagt: Bessere Arbeitsbedingungen → gesündere Mitarbeitende → höhere Arbeitsqualität
Digitaler Stress kann nicht nur die individuelle Gesundheit beeinträchtigen, sondern auch ein betriebliches Produktivitätsrisiko darstellen. Typische Folgen von digitalem Stress sind neben Gesundheitsproblemen:
- Geringere Arbeitsfähigkeit
- Geringere Produktivität
- Geringere Arbeitszufriedenheit
- Stärkere Absicht, den Job zu wechseln
- Stärkere Absicht, den Beruf aufzugeben
Investitionen in die gute Gestaltung digitaler Arbeit sind somit Investitionen in eine gesunde Belegschaft und ein produktives Unternehmen.
Nähere Informationen zum Projekt:
AUVAfit - Gesund digital arbeiten: Projektablauf
Konkrete Schritte und Zeitaufwand
- Zweiwöchige Begleitung: Ausgewählte Beschäftigte protokollieren ihren Arbeitsalltag in strukturierten Tätigkeitsprotokollen (ca. 10–20 Minuten pro Tag und Person).
- Qualitative Interviews: Anschließend werden Erfahrungen, Tätigkeitsmuster und typische Belastungen in Einzelinterviews erfasst (ca. 45–60 Minuten pro Person).
- Individuelle Berichte: Auf Basis der Daten werden persönliche Rückmeldungen für die Beschäftigten erstellt.
- Fokusgruppen: In moderierten Gruppen diskutieren die Beschäftigten gemeinsame Belastungsfaktoren und entwickeln Lösungsstrategien (ca. 90 Minuten pro Person).
- Ergebnisworkshop: Die im Ergebnisbericht identifizierten Handlungsfelder werden gemeinsam mit Vertreter:innen des Unternehmens und Verantwortlichen für den Gesundheitsschutz besprochen.
Zielgruppen und Kosten
- Unternehmen aller Größen und Branchen, deren Beschäftigte bei der AUVA versichert sind und die mit digitalen Anwendungen arbeiten, können das Angebot nutzen.
- Standardangebot für bis zu 8 Personen: Grundsätzlich ist AUVAfit "Gesund digital arbeiten" für die Tätigkeitsanalyse von bis zu 8 Mitarbeitenden pro Betrieb vorgesehen.
- Projektkosten trägt die AUVA: Die AUVA übernimmt die Projektkosten für bis zu 8 Mitarbeitende. Bei Bedarf kann eine höhere Teilnehmer:innen-Zahl mit FORBA gegen Kostenbeteiligung vereinbart werden.
- Etwaige Maßnahmeninvestitionen trägt der Betrieb: Kosten für Investitionen in Maßnahmen, die im Rahmen eines AUVAfit-Projekts vorgeschlagen werden, sind vom teilnehmenden Unternehmen selbst zu tragen.
Kontaktdaten
Programm AUVAfit
Das Präventionsprogramm AUVAfit hilft dabei, physischen und psychischen Fehlbelastung vorzubeugen. Es besteht aus den Modulen Ergonomie und Arbeitspsychologie, die entweder einzeln oder zusammen gebucht werden können.
FAQ - Häufig gestellte Fragen
Das Angebot richtet sich an Unternehmen aller Größen und Branchen, deren Beschäftigte bei der AUVA versichert sind und mit digitalen Anwendungen arbeiten.
Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass keine Rückstände bei den Sozialversicherungsbeiträgen bestehen und die geltenden Arbeitnehmer:innenschutzstandards eingehalten werden. Die Bereitschaft zur Wirksamkeitsanalyse nach Abschluss des Projekts wird vorausgesetzt.
Pro Mitarbeiter:in, der:die an der Analyse teilnimmt, ist mit einem zeitlichen Aufwand von insgesamt 5 Stunden zu rechnen. Dieser Gesamtaufwand setzt sich zusammen aus: Der täglichen Tätigkeitsprotokollierung über zwei Arbeitswochen, dem persönlichen Einzelinterview und der Teilnahme an der Fokusgruppe.
Die Steuerungsgruppe ist für den reibungslosen Ablauf des Projekts im Unternehmen zuständig. Hinzu kommen Termine zur Vorstellung des Projekts, das Kick-Off und der Ergebnisworkshop.
Die Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Maßnahmen obliegt dem teilnehmenden Unternehmen. Im Rahmen einer Wirksamkeitsanalyse durch AUVAfit kann evaluiert werden, wie gut die Umsetzung in die Praxis gelungen ist, was sie bewirkt hat und welche weiteren Schritte empfehlenswert sind.
Die AUVA übernimmt die Projektkosten der Analyse für bis zu acht Mitarbeitende sowie die Beratung und Begleitung bei der Maßnahmenentwicklung. Kosten für Investitionen in Maßnahmen, die im Rahmen eines AUVAfit-Projekts erarbeitet werden, sind hingegen vom Unternehmen selbst zu tragen.
Wenn mehr als acht Mitarbeitende in die Analyse einbezogen werden sollen, ist dies über eine gesonderte Vereinbarung mit dem Forschungsinstitut FORBA möglich. Ab dem neunten Teilnehmenden fallen für jede weitere Person zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 800,00 bis 1.000,00 Euro pro Person an.
Das Projekt trägt dazu bei, die Arbeitsbedingungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verbessern, belastende Arbeitssituationen sichtbar zu machen und konkrete Lösungsstrategien zu entwickeln. Gleichzeitig fördert es den Austausch sowie die aktive Beteiligung der Beschäftigten und stärkt Teamgeist, Vertrauen und Zusammenarbeit.
So werden Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden gestärkt, die Arbeitszufriedenheit und Produktivität erhöht und die Bindung an das Unternehmen nachhaltig verbessert.