
Forschungsprojekt Fracture Liaison Service (FLS) für Houskapreis 2025 nominiert
Ziel des wegweisenden Projekts des Ludwig Boltzmann Instituts für Osteologie ist es, die Versorgung von Patienten:Patientinnen nachhaltig zu verbessern, indem osteoporotische Frakturen effizienter behandelt werden.
In Österreich sind mehrere Hunderttausend, insbesondere ältere Menschen von Osteoporose betroffen. Eine häufige Folge sind etwa Oberschenkelhalsbrüche – hier weist Österreich die dritthöchste Rate weltweit auf, nur Dänemark und Schweden verzeichnen noch höhere Zahlen.
Dennoch besteht eine eklatante Lücke in der Sekundärversorgung: Nach einer ersten osteoporosebedingten Fraktur erhält nämlich nicht einmal jede:r fünfte Betroffene eine adäquate Therapie.
Versorgungslücke schließen
Hier setzt das in Kooperation mit der AUVA und der ÖGK entwickelte, unter der Leitung von Assoc. Prof. PD DDr. Roland Kocijan stehende Forschungsprojekt „Fracture Liaison Service (FLS) – Optimierung der Sekundärversorgung osteoporotischer Frakturen in Österreich“ an. Um die sekundäre Versorgung von Osteoporose-Patienten:Patientinnen nachhaltig zu verbessern, wird auf innovative digitale Lösungen gesetzt.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Radius-Fraktur-Studie, die sich auf die frühzeitige Identifikation und Behandlung von Osteoporose-Patienten mit distalen Radiusfrakturen – d. h. handgelenksnahen Brüchen der Speiche – fokussiert. Da diese oft die ersten osteoporotischen Frakturen im Leben eines:einer Patienten:Patientin sind, bieten sie eine Chance für frühe Diagnostik und gezielte Therapie, um Folgefrakturen zu verhindern. Die Studie wird am AUVA-Traumazentrum Wien – Standort Meidling in Kooperation mit Prim. Prof. Dr. Christian Fialka, PD DDr. Jakob Schanda und Dr. Stefan Frank durchgeführt.
Digitale Innovationen für bessere Patientenversorgung
Ein zentrales Element der Radius-Fraktur-Studie ist der Einsatz digitaler Technologien zur Verbesserung der Aufklärung und Nachsorge der Patienten:Patientinnen. Durch QR-Codes, die auf den Gipsverband geklebt werden, erhalten Patienten:Patientinnen über das Smartphone direkten Zugang zu osteoporosespezifischen Informationen sowie Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Darüber hinaus besteht das Ziel, eine strahlungsfreie REMS-Technologie zu etablieren, mit deren Hilfe die Knochendichte von Patienten:Patientinnen direkt am Krankenbett präzise gemessen werden kann.
Das Projekt erforscht zudem den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur frühzeitigen Erkennung von Brüchen von Wirbelkörpern in der Wirbelsäule (sogenannten vertebraler Frakturen). Ein Screening mittels KI-gestützter Bildanalysen soll es ermöglichen, bereits vorliegende Röntgen- und CT-Bilder automatisiert auf unklare oder übersehene Wirbelfrakturen zu untersuchen, um bislang unerkannte osteoporotische Frakturen frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln.
Wien-weites Fracture Liaison Service (FLS)-Zentrum als Modellprojekt
Im Rahmen der Weiterentwicklung des FLS-Ansatzes ist die Etablierung eines Wien-weiten FLS-Zentrums geplant. Dieses soll eine strukturierte, interdisziplinäre Versorgung für osteoporotische Frakturpatienten:-patientinnen ermöglichen und folgende Maßnahmen umfassen:
- Telemedizinische Beratung zur Erhöhung der Patienteneinbindung
- Infusionsambulanzen zur besseren osteoporosespezifischen Therapie
- Digital unterstützte Nachsorge, um die langfristige Therapietreue zu steigern.
Das Ziel des FLS-Zentrums ist es, durch eine flächendeckende Versorgung in Wien die Rate an Folgefrakturen zu reduzieren, die Behandlungsqualität zu steigern und gleichzeitig die Kosten für das Gesundheitssystem durch Krankenhausaufenthalte und Langzeitpflegekosten zu reduzieren. Langfristig soll das Zentrum nicht nur in Wien, sondern für ganz Österreich als Modell für eine bessere Osteoporoseversorgung dienen.
Das FLS-Projekt hat das Potential, vielen von Osteoporose betroffenen bzw. künftig bedrohten Patienten:Patientinnen durch nachhaltige Verbesserungen in der Frakturversorgung und der Nachsorge einen langen Leidensweg zu ersparen.
Nominierung für den Houskapreis 2025
Die Nominierung des Forschungsprojekts für den renommierten Houskapreis, Österreichs größten privaten Preis für anwendungsnahe Forschung, in der Kategorie außeruniversitäre Forschung unterstreicht die wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Projekts. Die Verbindung aus innovativen digitalen Lösungen, KI-gestützter Diagnostik und einem zukunftsweisenden Versorgungsmodell stellt einen entscheidenden Schritt zur Verbesserung der osteoporotischen Frakturversorgung in Österreich dar.
Die AUVA ist stolz auf die mit der Nominierung zum Ausdruck gebrachte Anerkennung für ihre innovative Forschungsarbeit und schon gespannt auf die am 9. April 2025 stattfindende Preisverleihung.
Mit unserem Forschungsprojekt "Optimierung des Fracture Liaison Service (FLS)" schließen wir eine zentrale Versorgungslücke bei osteoporotischen Frakturen – und bringen mit digitalen Innovationen, KI und neuer Diagnostik echte Veränderung ins Gesundheitssystem. Die Nominierung für den Houskapreis 2025 bestätigt: Wir sind am richtigen Weg, um Patientinnen und Patienten mit Osteoporose in Österreich nachhaltig besser zu versorgen.
Weitere Infos
Die in den Unfallkrankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen der AUVA praktizierten Methoden müssen wissenschaftlich fundiert sein. Daher forscht die AUVA in ihren Einrichtungen und Forschungsinstituten intensiv an neuen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Unfallchirurgie und Intensivmedizin. Im Jahr 2023 wurden im medizinischen Bereich 67 Publikationen veröffentlicht und 164 wissenschaftliche Vorträge gehalten.