Gesund arbeiten trotz Hitze
Tropennächte, steigende UV-Strahlung: Der Klimawandel belastet die Gesundheit. Gefragt sind klimafitte Arbeitsplätze – und Eigenverantwortung beim Schutz vor Hitzerisiken. Worauf dabei zu achten ist, zeigt dieser Beitrag.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind spürbar – immer häufiger steigt die Temperatur auf über 30 Grad und die Zahl der Tropennächte wird immer größer. Durch mehr Sonnenstunden nimmt auch die UV-Strahlung zu. Starke Hitze kann unsere Gesundheit gefährden. Im beruflichen Alltag müssen Arbeitgeber:innen Maßnahmen setzen, um klimafitte Arbeitsplätze – sowohl in Innenräumen als auch im Freien – zu gewährleisten. Und natürlich kann jede:r selbst einen Beitrag leisten, um sich vor den Risiken von Hitze zu schützen.
Gefahren durch Hitze
Die gute Nachricht vorweg: Sonnenstrahlen unterstützen den Stoffwechsel und stärken das Immunsystem. Sonnenlicht ist eine wichtige Quelle für die Produktion von Vitamin D in der Haut und die Knochengesundheit. Die Sonne ist also lebensnotwendig. Sie bedeutet aber auch Stress für den Körper, vor allem wenn die Dosis zu hoch ist.Â
Menschen empfinden Hitze sehr unterschiedlich. Ältere Menschen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen vertragen hohe Temperaturen meist schlechter. Die Art und Intensität der Tätigkeit spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle. Auch hängt das eigene Empfinden mit dem Körperbau, der Hautbeschaffenheit und der Körperbehaarung zusammen. Zudem spielt die Wärmestrahlung, die Lufttemperatur und die Umgebung, in der wir leben, eine Rolle. Menschen, die in südlichen Ländern aufgewachsen sind, fühlen sich tendenziell bei höheren Temperaturen noch wohler als Menschen aus dem Norden. Je weiter man in den Norden geht, desto tiefer sinkt die individuelle Wohlfühltemperatur.Â
Hitze und UV-Strahlung können dem Körper stark zusetzen und so zu einem Risiko für die Gesundheit werden. Hohe Temperaturen und der mit dem Schwitzen verbundene Verlust von Wasser und Salzen können eine Hitzeerschöpfung verursachen. Diese äußert sich etwa durch Müdigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden. Im schlimmsten Fall wird ein Hitzschlag ausgelöst – mit lebensgefährlichem Fieber bis über 40 Grad. Hier muss rasch gehandelt werden (für Kühlung sorgen, ärztliche Hilfe holen). Hitze erhöht zudem die Neigung zu aggressivem, risikoreichem Verhalten und beeinträchtigt die Konzentration sowie die Leistungsfähigkeit. So steigt auch das Risiko für Arbeitsunfälle.
Gefahren durch UV-Strahlung
Von April bis September – und da vor allem zwischen 11 und 15 Uhr – ist die UV-Strahlung besonders hoch. Reflektierende Oberflächen (z. B. Metall, Glas, Beton, Wasser oder Schnee) verstärken die UV-Strahlung. Schatten oder starke Bewölkung verringern die Dosis.
Intensive UV-Strahlung kann akut zu Sonnenbrand, Sonnenallergie und Sonnenstich führen oder die Bindehaut des Auges entzünden. Chronische Erkrankungen der Augen (z. B. Grauer Star, Makuladegeneration) sind ebenso auf zu starke UV-Strahlung zurückzuführen wie vorzeitige Hautalterung oder Hautkrebs. Seit 2024 ist deshalb beruflich bedingter Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom und aktinische Keratosen) als Berufskrankheit anerkannt.
Lesen Sie hier mehr über UV-Strahlen und Hautgesundheit und alles, was Sie dazu wissen müssen: Infoseite UV-Schutz
Hitzeschutz in InnenräumenÂ
Hohe Außentemperaturen belasten auch Arbeitsplätze in Innenräumen. Kühlend wirken eine gute Dämmung des Gebäudes, die Beschattung durch Vordächer, Rollläden, Jalousien oder Sonnenschutzfolien, ebenso wie reflektierende Dachflächen oder begrünte Fassaden. Anstelle einer herkömmlichen Heizung könnte ein Heiz- und Kühlsystem effektiver wirken. Und bei der Neuanschaffung von Maschinen oder Geräten empfiehlt es sich, auf Energieeffizienz und gute Wärmeisolierung zu achten.
Um die über Nacht abgekühlte Luft im Innenraum zu halten, sollte nachts oder in den Morgenstunden gelüftet werden. Rollläden oder Jalousien sollten rechtzeitig geschlossen werden.
Die Arbeitsplatzevaluierung ermittelt auch eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch Hitze. Daraus lassen sich Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer:innen nach dem STOP-Prinzip ableiten und mithilfe eines Hitzeschutzplans umsetzen. Für die Beurteilung spielen neben der Temperatur auch die Wärmeeinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Luftgeschwindigkeit, körperliche Belastung, Dauer der Tätigkeit sowie die Bekleidung und persönliche Schutzausrüstung eine Rolle. Außerdem werden etwaige Vorerkrankungen oder die körperliche Fitness berücksichtigt. Für den Ernstfall bedarf es regelmäßiger Erste-Hilfe-Schulungen sowie eines Notfallplanes.
Erleichterung schaffen beispielsweise Gleitzeit, Homeoffice oder die Verlagerung von schweren Tätigkeiten an die Tagesrandzeiten. Auch sollten ausreichend Pausen in gekühlten Räumen, mit bereitgestellten Getränken, ermöglicht werden.
Hitzeschutz bei Arbeiten im Freien
Arbeitnehmer:innen, die in Arbeitsstätten, auf Baustellen und auswärtigen Arbeitsstellen im Freien arbeiten, sind bei Hitze und Sonne besonders belastet. Erschwerend hinzu kommt die oft schwere körperliche Arbeit, bei der durch die Muskelarbeit weiter Wärme erzeugt wird. Alter, Geschlecht, Hitzeanpassung und allgemeiner Gesundheitszustand beeinflussen die individuelle Hitzeverträglichkeit ebenso wie etwa die Kleidung bzw. Schutzausrüstung.
Die Hitzeschutzverordnung konkretisiert die Fürsorgepflichten der Arbeitgeber:innen in Bezug auf betrieblichen Hitzeschutz. Die AUVA berät Arbeitgeber:innen und Präventivfachkräfte im Betrieb bei der Umsetzung der neuen Regelungen.Â
Rechtliche Regelungen
Die allgemeinen Regelungen des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchG) in Bezug auf Hitze wurden per 1.1.2026 mit der Hitzeschutzverordnung konkretisiert. Diese schützt Arbeitnehmer:innen insbesondere vor den Gefahren von Hitze bei Arbeiten im Freien. Zudem ergänzt die Verordnung Optische Strahlung (VOPST) in Bezug auf natürliche UV-Strahlung.
Nach dem Nachtschwerarbeitsgesetz (NSchG) sind für Hitzearbeitsplätze konkrete Schutzmaßnahmen vorgeschrieben – allerdings fallen Arbeitsplätze mit nur saisonal erhöhten Temperaturen nicht darunter.
Sie haben Fragen zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz? Das Präventionsteam der AUVA steht Ihnen gerne beratend zur Seite. Kontaktieren Sie uns unter sichereswissen@auva.at